Eine junge Möwe, das Gefieder noch grau, landete auf dem Rand des Pools. Möwen kommen hier oft vorbei. Sie trinken aus dem Pool, sitzen auf dem Rand, beobachten, was auf der Terrasse geschieht. Und jedes Mal freue ich mich darüber. Dieses Mal wich die Freude sehr schnell dem Schrecken.
Aus dem Schnabel der Möwe hing ein Faden, daran ein kleiner bunter Ball. Erst nach einem Moment begriff ich, was ich da sah. Vermutlich hatte sie den Köder eines Fischers verschluckt. Der Haken musste irgendwo in ihrem Schnabel oder Rachen stecken, der Faden und der Ball hingen heraus.
Sie bewegte den Kopf, schwang den Ball durch die Luft und schaute immer wieder zu mir ins Haus. Natürlich weiss ich nicht, was ein Vogel in einem solchen Moment denkt. Für mich wirkte es, als ob sie meine Hilfe suchte.
Ich ging hinaus. Ich war ziemlich sicher, dass sie wegfliegen würde, sobald ich mich ihr näherte. Trotzdem versuchte ich es. Langsam balancierte ich über den schmalen äusseren Rand des Pools auf sie zu. Einen Schritt nach dem anderen. Als noch ungefähr eineinhalb Meter zwischen uns lagen, flog sie davon.
Mehr konnte ich nicht tun. Ich ging wieder hinein.
Kurz darauf war sie zurück. Sie trank. Legte sich hin. Schwamm ein wenig im Pool. Stieg wieder auf den Rand. Legte sich erneut hin und blieb eine Weile fast regungslos. Dann flog sie weg.
Nicht viel später kam sie wieder. Sie lief über die Terrasse, der bunte Ball pendelte noch immer an dem Faden hin und her. Immer wieder schaute sie in meine Richtung. Ich beobachtete sie und wusste nicht, was ich tun sollte. Jede weitere Annäherung hätte sie vermutlich nur wieder vertrieben. Sie schwang den Faden mit dem Ball hin und her, versuchte mit den Füssen daraufzustehen. Dann schwang sie ihn wieder.
Irgendwann hatte sie den Ball im Schnabel. Dann flog sie davon.
Ich blickte ihr nach, senkte den Blick auf den Pool und traute meinen Augen nicht: Da lag der Ball. Ich glaube, ich strahlte schon da. Ich rannte zum Pool, fischte den Ball heraus und dann strahlte ich wirklich: Der Haken hing noch daran. Irgendwie musste er sich gelöst haben.
Was für eine Erleichterung. Was für eine Freude.
Kurze Zeit später kam die Möwe noch einmal zurück. Ohne Faden. Ohne Ball. Sie sass wieder am Pool, und natürlich weiss ich nicht, ob ihre Rückkehr irgendetwas mit mir zu tun hatte. Aber ich freute mich einfach, sie noch einmal zu sehen. Und vor allem darüber, dass sie offenbar gut davongekommen war.
Von dieser jungen Möwe entstanden an diesem Tag viele Bilder. Doch in dem Moment, als der Ball allein im Wasser schwamm und ich den Haken daran entdeckte, war mir das Fotografieren vollkommen egal.
Ich war einfach nur froh, dass die Möwe ihn losgeworden war.





Eine schöne, spannende, aber auch sehr berührende und bedauernswerte Geschichte,
zum Glück mit einem Happy End. Deine Schwarz-Weiß-Fotos dazu sind wunderbar.
Vor allem das erste Foto ist eine echte Augenweide.
Meinen Respekt für diese wirklich großartige Aufnahme.
Deine Empathie, deine Aufmerksamkeit, Naturverbundenheit und das du Emotionen zeigst,
finde ich mehr wie bereichernd und sehr wertvoll, es passt zu dir und es freut mich zu wissen.
Schön, dass es dich gibt.
Liebe Grüße gehen an dich.
Michael
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Lieber Michael
Deine Worte berühren mich sehr, ich danke dir von Herzen dafür. Ja, es war wirklich ein grosses Aufatmen, als. die Möwe plötzich frei war. Ich war richtig glücklich.
Sei ganz lieb gegrüsst
Sandra
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Liebe Grüße an dich zurück.
Michael
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Mein Text ist weg, also nochmal neu:
Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, Insekten aus Wassertrögen zu befreien sowie manchmal aus Spinnennetzen. Bei letzeren weiß ich nicht, ob das befreite Insekt den Kleister danach los wird.
Jedenfalls flog es weg.
Die Gegenleistung für mich sind Fotos der armen Kreaturen. Da sie nicht wissen offenbar, daß Wasser eine tödliche Gefahr für sie sein kann, vor allem dann wenn Wasser durch Wind, Wasserbewegung schon einen Teil des Körpers bedeckt, sind sie verloren. Da hilft auch kein Stöckchen im Wasser was, denn das Wasser zieht sich ja ein Stück am Stöckchen hoch, sodaß das Insekt sich nicht daran rausziehen dürfte.
Deine Freude kann ich daher gut nachvollziehen.
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Tiere leiden zu sehen, tut mir immer weh. Egal, was für ein Tier es ist. Ich habe auch schon Insekten aus Gläsern, Flüssigkeiten und ähnlichem gerettet.
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Danke für diese Geschichte der Begegnung und wirklich tolle Aufnahmen!
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Das hat mich so bewegt damals, das musste ich einfach teilen. Freut mich sehr, dass dir meine Fotos gefallen. Lieben Dank!
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